„I can make my own hours“ – ein Satz, den ich von den meisten Remotes höre. Die eigenen Arbeitsstunden selbstbestimmt festlegen. Für diejenigen, die für ein Unternehmen arbeiten, ist dies eine klare Absprache mit ihren Arbeitgebern. Voraussetzung ist hierbei für die Unternehmen jedoch, dass die Remotes Kundentermine und Meetings im Bedarfsfall ermöglichen. Darüber hinaus zählt nur das Arbeitsergebnis. Generell spiegeln mir alle, mit denen ich darüber spreche, dies als sehr große Motivation für ihre remote Tätigkeit wider – seine Arbeitszeiten frei einteilen zu können. Und somit die Stunden zu nutzen, in denen man sich am produktivsten oder auch kreativsten fühlt, anstatt an das klassische „9 to 5 Zeitmodell“ gebunden zu sein. Je nach Art der Tätigkeit und der Notwendigkeit erreichbar sein zu müssen, geht das „I can make my own hours“ einfacher oder schwieriger, bzw. gar nicht. Mein definiertes Zeitfenster ist aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit als Personalerin und der notwendigen Erreichbarkeit für Führungskräfte und Mitarbeiter ein, im Vergleich zu den anderen Remotes, langes. Dennoch habe ich die Möglichkeit darüber hinaus meine Themen zeitlich selbstbestimmt einzuteilen. Hierbei kann ich die produktivsten Stunden für mich persönlich finden sowie private Termine und Veranstaltungen wahrnehmen. Für mich bedeutet das, eine gute Work Life Balance im Remote Year herstellen zu können.

Arbeitszeit völlig frei einteilen, solange die Ergebnisse termingerecht geliefert werden.

Was mich an den anderen Remotes beeindruckt: Nicht wenige arbeiten aufgrund der Zeitverschiebung zu ihren Unternehmen und Kunden spät abends sowie nachts. Sie ändern ihren gesamten Tagesablauf, um am Remote Year teilzunehmen. Der Aspekt Zeitverschiebung, in Kombination mit Erreichbarkeit und Selbstbestimmung, wirft daher nochmal ein anderes Licht auf den Faktor Tätigkeitsprofil. Derjenige, der in seiner Tätigkeit nicht regelmäßig telefonischen Kundenkontakt halten muss, ist bei einer großen Zeitverschiebung klar im Vorteil. Er kann tatsächlich seine Arbeitszeit völlig frei einteilen, solange die Ergebnisse termingerecht geliefert werden. Zugleich zeigt es mir auf, welchen hohen Stellenwert dieser Lebensstil für die Remotes hat. Sie nehmen diese Anpassungen und Einschränkungen in Kauf, um zu arbeiten und gleichzeitig in dieser Community die Welt zu bereisen. Was ich an den Selbständigen unter uns interessant finde: Wenn nicht danach gefragt wird, legen manche Remotes ihren Kunden nicht offen dar, dass sie am Remote Year teilnehmen. Zu groß sind die Befürchtungen, dass Kunden kein Verständnis dafür hätten, bzw. viel mehr glauben könnten, dass die Arbeitserfüllung darunter leiden könnte. Keiner der Remotes erachtet dies als gerechtfertigt. Dennoch scheint die Angst da zu sein, dass andere für diese Art des Arbeitens noch nicht bereit sind.

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Neben dem Aspekt „Flexibilität in meiner Arbeitszeit“ bin ich im Hinblick auf „Flexibilität im Arbeitsort“ mit meiner vorhandenen Arbeitsausstattung – Laptop und Smartphone (zugleich Festnetz bei mir) – sehr flexibel und finde derzeit heraus, an welchem Ort ich am besten arbeiten kann. Wir haben 24/7 Zugang zu einem Coworking Space. Ich arbeite jedoch auch teilweise von meinem Apartment oder anderen Orten aus. Bei mir persönlich ist es aufgabenabhängig, wo ich gerne arbeite. Aufgaben, bei denen ich sehr konzentriert sein muss, arbeite ich gerne im Apartment oder in den Ruheräumen im Coworking Space ab. Ungestörte Telefonate kann ich dort in Einzelräumen führen. Konzeptionelle Themen und Überlegungen zu weiteren Vorgehensweisen erarbeite ich, wetterabhängig, am liebsten im Freien bzw. an gemütlichen Plätzen im Coworking Space oder in Cafes. Auch die anderen Remotes wechseln ihren Arbeitsort häufig und sind nicht nur im Coworking Space. Vor allem diejenigen, die bereits seit geraumer Zeit remote arbeiten, berichten mir davon. Sie arbeiten in Parks, Cafes oder anderen Orten mit und ohne WLAN. Eine passende Arbeitsausstattung – Laptop und Smartphone – ist hierfür unumgänglich. Der mobile Hotspot, um wirklich von überall arbeiten zu können, gehört für viele Remotes dazu. Dann wird es tatsächlich absolut arbeitsortflexibel.

Es geht dabei nicht einfach nur um Home Office.

Mit einem Remote habe ich mich im Zusammenhang mit dem Thema Arbeitsortflexibilität kürzlich über die Begrifflichkeiten „Home Office“ und „mobil“ ausgetauscht. Was steckt eigentlich dahinter und was hängt damit zusammen? Und ich spreche nun nicht von 100% mobil, sondern von gelegentlichem mobilen Arbeiten als Zusatz zur Tätigkeit im Büro. Beim mobilen Arbeiten geht es nicht nur um Home Office im Sinne von Arbeiten von zu Hause aus. Mobiles Arbeiten ist viel mehr als das. Mobil bedeutet an vielerlei Orten zu arbeiten und damit arbeitsortflexibel zu sein. Wenn ich mit anderen Generation Ylern und deren Wünsche spreche, dann steht der Punkt „Möglichkeit für gelegentliches Home Office“, wenn es die Rahmenbedingungen ermöglichen, mitunter ganz oben auf der Liste. Was aber wirklich Pluspunkte gibt, ist das Angebot, die Mitarbeiter auch mobil arbeiten zu lassen.  Ich kenne viele Generation Yler in Unternehmen, in welchen bereits die Frage nach gelegentlichem Home Office den Mitarbeiter in größte Ungnade fallen lässt. Das fehlende Verständnis dafür und die Unzufriedenheit darüber, könnten bei meiner Generation nicht größer sein. Ermöglicht es eine Tätigkeit nicht, ist das für jeden nachvollziehbar. Doch häufig höre ich von Generation Ylern in anderen Unternehmen als Begründung, warum es grundsätzlich abgelehnt wird „weil das so ist und nicht gern gesehen wird“. Eine Antwort, die meine Generation zur Weißglut treiben kann. Denn der Grund –  das WHY (Generation Y = Generation Why/Warum) – ist nicht nachvollziehbar. Die Möglichkeiten Home Office und mobiles Arbeiten in das Berufsleben zu integrieren, wenn es die Stelle ermöglicht, ist für mich eine Frage der Unternehmenskultur. Und eine gute Unternehmenskultur ist meiner Generation bei einem Arbeitgeber enorm wichtig. Was benötigt es aber für das mobile Arbeiten in Unternehmen? Zunächst eine Tätigkeit, die dies ermöglicht sowie die passende Arbeitsausstattung. Und darüber hinaus? Vertrauen. Vertrauen der Führungskräfte in den Mitarbeiter. Und, einen Mitarbeiter, der dies nicht missbraucht und zuverlässig auch außerhalb des Bürogebäudes arbeitet.

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Eine Generation mit starkem Drang zum Reisen.

Was aber hat zudem noch einen großen Stellenwert für die Teilnehmer am Remote Year, die zu großen Teilen die Generation Y repräsentieren? Klar, das Reisen. Noch nie habe ich, mich eingeschlossen, eine Generation mit so einem starken Drang zum Reisen erlebt. Die Welt zu sehen, Neues zu entdecken, seinen Horizont zu erweitern, sich weiter zu entwickeln. Die tolle Möglichkeit die Remote Year bietet ist, dass hierbei nicht auf den lang ersehnten Urlaub gewartet werden muss. Dennoch: Reisen und währenddessen zu arbeiten ist kein Urlaub. In meinem Blogpost „Mit Remote Year von 0 auf 100 zur digitalen Nomadin – ohne Selbstdisziplin geht gar nichts“ möchte ich mit dieser Vorstellung aufräumen. Parallel dazu ist es für viele Remotes neben dem Arbeiten sowie Reisen ein großes Anliegen persönliche Projekte aufzubauen sowie Kompetenzen weiterzuentwickeln. Sie möchten sich mit diesen Projekten im privaten Bereich verwirklichen. Bei 75 Teilnehmern findet sich dabei stets eine Gruppe an Remotes für gegenseitige Unterstützung. Ich selbst lege meinen Fokus außerhalb der Arbeit auf das Volunteering und soziale Projekte in den jeweiligen Städten. So möchte ich zum einen etwas Gutes tun und unterstützen, Land und Leute kennen lernen und zeitgleich meinen Lesern die Möglichkeit eröffnen, Informationen für eventuelle Spenden zu geben. Bereits jetzt habe ich viele Anhänger und auch das scheint mir ein weiterer Aspekt der Gruppe oder auch Generation Y zu sein: Sie sind sich dessen bewusst was sie haben und worüber Sie verfügen und möchten aber gleichzeitig etwas zurückgeben. Sich für eine bessere Welt einsetzen – um es einmal möglichst theatralisch und knapp auszudrücken.

Es gibt unendlich viele Optionen, beruflich wie privat.

Um den Stellenwert und die Auswirkung der persönlichen Ansprüche der Remotes und gegebenen Möglichkeiten im Remote Year noch einmal deutlich aufzugreifen, zitiere ich mich selbst aus einem vorherigen Blogeintrag: Im Remote Year gilt es „,…sich nicht im Überfluss an Möglichkeiten zu verlieren“. Aus meiner Sicht auch außerhalb von Remote Year häufig ein Thema meiner Generation und der Welt, in der wir aufgewachsen sind. Es gibt unendlich viele Optionen, beruflich wie privat. Remote Year bündelt diese gefühlt in höchstem Ausmaß. Und darüber hinaus wurde meine Generation so erzogen, dass uns beigebracht wurde, dass wir auch alles können, wenn wir es nur wollen – dass uns alle Türen in dieser Welt offen stehen. Schließlich sind wir wohlbehütet aufgewachsen und haben die Sorgen und Nöte der vorherigen Generationen noch nie am eigenen Leib erlebt. Meine Beobachtung dabei: Viele wissen einfach nicht wie dabei das Richtige finden, was die beste Entscheidung ist, wo man sich einbringen soll, wofür das Herz schlägt. Sie möchten einfach am liebsten alles. Und das auch ganz schnell, mit der Ungeduld im Gepäck. Die vielfältigen Möglichkeiten, die Remote Year bietet, können dabei den ein oder anderen Teilnehmer zur persönlichen temporären Sinnkrise treiben.

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Keineswegs ein reines Generation Y Thema.

Was denn nun ganz genau meine Generation will? Schwer zu sagen, aber zumindest weiß die Generation Y, dass ihnen viele Tore offen stehen. Und das auch bei der Arbeitgeberwahl. Das müssen sich Unternehmen bewusst machen. Noch nie gab es so viele gut ausgebildete potentielle Arbeitnehmer auf dem Markt und noch nie war es für diese einfacher den Arbeitgeber zu wechseln. Die Zeiten, in denen die Mehrheit der Mitarbeiter „vom Berufseinstieg bis zur Rente“ im gleichen Unternehmen gearbeitet hat, werden vermutlich der Vergangenheit angehören. Und deshalb ist es unausweichlich, sich als Unternehmen mit der Generation Y auseinander zu setzen, wenn man attraktiv für diese sein möchte. Diese Werte und Wünsche, vor allem hinsichtlich Arbeitszeit- und Arbeitsortflexibilität bei einem Arbeitgeber, sind aber in meinen Augen keineswegs ein reines Generation Y Thema. Sondern eines aller im Unternehmen arbeitenden Generationen. Ich nehme nur wahr, dass die Generation Y klarer ausdrückt, was sie sich wünscht und dies auch einfordert. Vielleicht ja zugunsten von allen Generationen.

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