Coworking Spaces sind öffentliche Räume, in denen sich Freiberufler und Mitarbeiter aus Unternehmen ein gemeinsames Büroumfeld teilen und arbeiten. Coworking Spaces sollen Platz bieten, den Gedanken und neuen Ideen Raum zu geben. Das Arbeitsumfeld und der Austausch mit den Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen sollen inspirierend dazu beitragen und die Coworker können sich auf einfachste Art und Weise untereinander vernetzen. Coworking Spaces werden für mich in meinem Remote Year meinen Hauptarbeitsplatz darstellen. Mit K10  in Prag habe ich nun meinen ersten Coworking Space kennengelernt und erste Einblicke in ein Arbeitskonzept erhalten, das in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat. Coworking Spaces habe ich bisher als Umfeld wahrgenommen, in welchem sich hauptsächlich die Start Up Branche und Selbständige aufhalten. Ist dem tatsächlich so?

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Warum dann nicht gleich ins Büro gehen?

Neben Start Up Mitarbeitern und Selbständigen trifft man hier durchaus auch auf Festangestellte. Sie arbeiten mobil und verbringen teilweise ihre Home Office Tage hier. Warum dann nicht gleich ins Büro gehen, könnte man sich fragen. Ich würde es wie einen betrieblichen Tapentenwechsel sehen. In der Regel haben Coworking Spaces die Ausstattung eines normalen Büros, WLAN, Schreibtische, Drucker, Kaffeeküche – alles vorhanden. Darüber hinaus aber viele kreative Ecken, moderne und inspirierende Einrichtungen, Wohlfühlplätze etc. Der Selbständige findet sich in einem Umfeld wieder, das ihm eine gewisse Arbeitsplatzatmosphäre und Austausch bietet. Der Angestellte wiederum ist in einer Umgebung, die in der Regel so ganz anders ist, als das was er im Büroalltag erlebt – räumlich, als auch im Hinblick auf die beruflichen Hintergründe der anderen Anwesenden.

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Digitale Vernetzung innerhalb des Coworking Spaces

Aber welcher Benefit steckt dahinter? Ich habe den ein oder anderen gefragt: Für den klassischen Selbständigen bietet die Arbeit in einem Coworking Space die Möglichkeit seiner freien Arbeit eine gewisse räumliche Struktur zu geben. Zudem, und das ist wohl der Hauptbenefit, macht es der Kontakt mit anderen Coworkern aus. Es sind Leute, mit denen man sich auf unkomplizierte Weise austauschen kann, Neues kennen lernt und sich so auch ganz neue Blickwinkel auf die eigene Arbeit ermöglichen. Dieser Austausch hilft selbstverständlich enorm im Hinblick auf den Netzwerkaufbau. Man trifft sich in der Kaffeeküche und kommt ins Gespräch oder gesellt sich auch einmal unverfänglich bei dem einen oder anderen Gespräch dazu. Da die Coworker untereinander durch eine online Plattform vernetzt sind, ist es auch sehr einfach, gezielt Ansprechpartner zu finden. K10 verwendet hierfür Nexudus, eine Plattform, um unter anderem Coworking Spaces zu managen. Jeder Coworker hat hier ein eigenes Profil, auf welchem er Hinweise zu seiner Person und seinen beruflichen Hintergründen angibt. Wenn ich auf der Suche nach einem IT Spezialisten bin, brauche ich nur die entsprechende Kategorie auswählen und aus den mir angezeigten Profilen jemanden anschreiben. Das nenne ich effektives und unkompliziertes Netzwerken. Hier finden sich sowohl Hilfestellungen untereinander als auch Potentiale für neue Geschäftsideen und gemeinsame Bearbeitung von Projekten.

Trennung von Arbeitsplatz und Lebensraum

Auch die räumliche Trennung von Arbeitsplatz und Lebensraum spielt für einige hier eine große Rolle. Work Life Balance bedeutet für viele durchaus eine Vermischung der beiden Aspekte, aber viel mehr unter dem Zeitaspekt betrachtet. Sie arbeiten teilweise früh morgens oder auch sehr spät abends und legen längere Pausen ein, um Termine oder auch Unternehmungen während des Tages wahrzunehmen, wenn es der Terminplan ermöglicht. Die Vermischung ist von vielen nicht unbedingt räumlich gewünscht. Die eigene Wohnung möchten manche als Bereich der arbeitsfreien Zone halten und für genau diese ist ein Coworking Space ebenfalls eine ideale Lösung.

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Wenn der Austausch mit Kollegen fehlt

Die Angestellten in Unternehmen, die man im Coworking Space trifft, wissen es zu schätzen, dass ihr Arbeitgeber sie selbstbestimmt und flexibel arbeiten lässt. Dennoch fehlt dem ein oder anderen, der zu großen Teilen mobil/remote arbeitet, der persönliche Kontakt und Austausch. Für mich ist die Arbeit im Coworking Space eine Art Bürogemeinschaft, mit der ich ein Stück weit neue Kollegen gefunden habe. Es ist für mich ein Ort mit viel Interaktion und einer sehr unkomplizierten Art und Weise beruflich ins Gespräch zu kommen. Der Umgang ist sehr informell und jeder tritt gern mit den anderen in den Austausch. Die Hilfsbereitschaft in fachlicher und persönlicher Hinsicht ist sehr groß. Über verschiedene zusätzliche Kanäle wie facebook und slack sind die Coworker ebenfalls verknüpft und so sind Anfragen oder Informationen bspw. über stattfindende Events im Coworking Space schnell kommuniziert.

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Einblicke in völlig neue Berufsfelder und Arbeitsweisen

Ich suche das Gespräch mit Anwesenden und treffe hierbei auf Berufsgruppen, die mir durch das Recruiting durchaus fachlich bekannt sind, aber noch nie konnte ich einen solchen Einblick in deren Arbeitsweisen und Gedankenwelt bekommen. Darüber hinaus treffe ich auf Unternehmensaussteiger und deren Beweggründe dahinter sowie auf Angestellte, die in Teilzeit ihr eigenes Business betreiben. Ebenso treffe ich auf Start Ups, die an ihren Problemen und Ideen feilen und auf remote Arbeiter, die zwar Vollzeit für Unternehmen arbeiten, ihre Kollegen aber teilweise noch nicht persönlich getroffen haben oder zumindest nur äußerst selten sehen. Im Austausch mit Coworkern über das Angestelltendasein im Vergleich zur Selbständigkeit und Start Up Tätigkeit treffe ich auf viel Verständnis für die Strukturen von großen Unternehmen, aber zugleich häufig auf eine „nichts für mich“ Haltung.

Für Unternehmen ein interessanter Tapetenwechsel

Mir fällt auf, dass es überraschend viele kleine Gruppen gibt, die bspw. an den Tischen im Garten in der Sonne beim Kaffee zusammen sitzen. Sie scheinen entspannt und gleichzeitig produktiv zu sein. Dort wird mitgetippt und gebrainstormt. Es sind zum Teil Start Ups, die noch keine eigenen Büroräume haben und auch hier im Coworking Space Kundengespräche führen. Zum anderen sind es Teams aus Unternehmen, die gemeinsam etwas erarbeiten. Ich finde die Idee durchaus interessant: Anstatt in der gewohnten Umgebung im klassischen Sitzungszimmer, im Büro oder in einem Tagungshotel für die Bearbeitung eines Themas oder Projektes mit dem Team einfach einmal in einem Coworking Space zu arbeiten. Durch einen Tapetenwechsel kann hierbei den Gedanken und der Kreativität neuen Raum gegeben werden.

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Große räumliche Vielfalt im Coworking Space

Da mein Apartment und der Coworking Space sehr nahe beieinander liegen, wechsle ich meinen Arbeitsplatz regelmäßig. Innerhalb des Coworking Space ebenfalls. Vom Arbeitsplatz im Garten (WLAN bis zum hintersten Grashalm), auf den Bürostuhl am Schreibtisch in der ersten Etage, hin zu den Sofas auf den Fluren oder auch in die Konferenzräume. Die Gefahr einer hohen Lautstärke ist in manchen Bereichen schnell erreicht. Drei Telefonate gleichzeitig in drei verschiedenen Sprachen und daneben der fachliche Austausch zwischen zwei Remotes sind in manchen Bereichen keine Seltenheit. Glücklicherweise hat K10 auch hierfür Lösungen. Wenn es mir zu laut wird, gehe ich in die Ruheräume. Telefonische Meetings halte ich in privaten Ecken im Garten oder in einem der vielen kleinen Räume ab, die im Gebäude verteilt sind. Diese kann man sich auch unkompliziert über ein System buchen. Aber auch der Freizeit- und Entspannungsaspekt kommen im Coworking Space nicht zu kurz. Eine Remote bietet an manchen Tagen Yogastunden oder Stretching in den Mittagspausen im Garten an, jeder kann teilnehmen. In den Kellerräumen wird es demnächst Fitnessgeräte geben und über die Mittagszeit gibt es einen Koch, der für das leibliche Wohl sorgt.

K10 – ein Sorglospaket

Der Coworking Space K10 in Prag ist für mich ein rundum Sorglospaket, das es einfach macht, effizient in die Arbeit einzusteigen und den Ideen freien Lauf zu lassen. Allein die Räumlichkeiten von K10 sind für mich fernab von klassischen Bürogebäuden und geben ein völlig anderes Arbeitsgefühl. Einen Coworking Space in der ehemaligen dänischen Botschaft zu haben, ist vermutlich nicht der Regelfall. Ich bin gespannt auf die weiteren Coworking Spaces, die mich in den nächsten Monaten erwarten. K10 war in jedem Fall eine sehr, sagen wir mal, herrschaftliche Arbeitsumgebung und ein toller Start.

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