In meinem Interview zum digitalen Nomadentum mit Bastian Barami wurde mir klar, wie sehr das Thema in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Ich habe mir das einmal durch den Kopf gehen lassen und nun in meinem zweiten Monat im Remote Year Belgrad erlebt. Und durchaus, ich sehe Unterschiede, die bereits Basisprobleme aufzeigen.

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Mobiles Arbeiten ist eigentlich eine schöne Idee: Arbeiten von wo man möchte. Gerne auch einmal vom Lieblingscafe an der Ecke. Die Realität sieht leider in Deutschland häufig anders aus:

„Haben Sie WIFI? “

„Nein.“ 

Das wars mit dem mobilen Arbeiten im Cafe. Aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, es gibt durchaus auch andere Situationen:

„Haben Sie WIFI?“

„Klar. Hier ist der Code.“

„Toll. Ist es denn ok, wenn ich diesen Platz hier nun für, sagen wir, 5h belege? Vermutlich werde ich in dieser Zeit aber nur 3 Getränke bestellen und nichts essen. Ich möchte einfach gerne in einem schönen Umfeld arbeiten. Ist das ok?“

Die Antwort darauf darf sich nun jeder selbst überlegen.

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Laptopfriendly.uk – dem digitalen Nomaden auf den Leib geschneidert

Während unserer Aufenthalte werden durch Remote Year regelmäßig Networkingevents organisiert. Hier haben wir Remotes die Möglichkeit mit lokalen Start Ups und anderen Unternehmern ins Gespräch zu kommen. In Belgrad hat uns der Gründer von Laptopfriendly sein Business vorgestellt und die Idee, die dahinter steckt, ist simpel wie genial. Ok, ich möchte nicht übertreiben. Aber sie ist zumindest für den digitalen Nomaden wie auf den Leib geschneidert. Laptopfriendly hat sich mit der oben beschriebenen Problemstellung und der daraus resultierenden idealen Lösung auseinandergesetzt.

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Was braucht ein digitaler Nomade idealerweise?

Was ist also die ideale Situation für den digitalen Nomaden, wenn er von einem x-beliebigen Cafe, Restaurant oder Bar aus arbeiten möchte? Da ich nun selbst einer bin, kann ich das ohne Schwierigkeiten beantworten. Um direkt effizient in meine Arbeit einsteigen und ggf. auch direkt an einem terminierten Meeting teilnehmen zu können, habe ich idealerweise vorab Gewissheit, dass die Internetverbindung stark genug ist, dass ich einen garantierten Platz habe und dass ich willkommen bin, obwohl ich deutlich länger als die anderen Gäste dort bin.

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Genau diese Aspekte vereint die Website von Laptopfriendly. Hier kann ich einfach eines der gelisteten Cafes in Belgrad aussuchen und sehe online die Hardfacts: wie viele Sitze für Coworker angeboten werden, wie stark das Internet ist, was die Kommunikationsregeln unter den Coworkern sind und was die Versorgung kostet (in der Regel werden 4h- oder 8h-Pakete angeboten). Und mit Versorgung meine ich bspw. das 4h „All you can drink – Cofe and Tea“ Paket in Belgrad im Lemon Chilli für umgerechnet 3,50Euro. Zusätzlich gibt es auch Pakete, die Essen beinhalten. Auf der Website kann ich zudem direkt online einen Platz reservieren.

All Inclusive Pakete für digitales Arbeiten

An einem Nachmittag ohne Meetings mache ich mich also auf zu „Lemon Chilli“ – ein Bootrestaurant/Cafe auf der Donau. Als ich dort ankomme, sitzen an den ausgewählten Plätzen zunächst keine anderen Coworker. Nach und nach kommen weitere hinzu. Ich bin völlig flexibel wo ich sitze und so wechsle ich über den Nachmittag von einem Eck ins andere – Hochstuhl, Couch, Terrassensitzgruppe – es wird alles getestet, auch das Internet (und es funktionierte wirklich überall sehr gut).

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Kombination von Coworking Space mit Cafe-Atmosphäre

In den 5h fühle ich mich absolut willkommen und die anderen Coworker, die sich ebenfalls im Cafe verteilen, geben mir ein Gefühl von Gleichgesinnten. Ein toller Ort, um in einem völlig anderen Arbeitsumfeld mit sehr guter Versorgung zu arbeiten. Der Gedanke hinter Laptopfriendly ist genau das: Die Idee eines Coworking Spaces mit dem angenehmen Umfeld eines Cafes/Restaurants zu kombinieren. Eine entscheidende Info fehlt aber noch:  Die Basisfrage, die sich die Gründer von Laptopfriendly gestellt haben, lautete nämlich nicht „Wo gibt es WIFI?“ sondern „Wo gibt es WIFI, das stark genug ist?“. WIFI wird hier als Selbstverständlichkeit in den Cafes und Restaurants wahrgenommen.

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Digitaler Fortschritt in Deutschland vs. WIFI Verfügbarkeit

Je mehr Städte ich sehe, desto deutlicher wird mir, wie schlecht sich Deutschland aufstellt. Die Digitalisierung ist enorm fortgeschritten, aber dennoch ist es längst nicht normal, dass man in Cafes oder Restaurants WIFI hat. Ich habe durchaus bereits in Hotels in Deutschland extra für das WIFI bezahlt. Mir fällt kein anderes Wort als „peinlich“ in diesem Zusammenhang ein.

WIFI als Überlebensquelle für den digitalen Nomaden

Ein so fortschrittliches Land schneidet im Vergleich mit vielen anderen, auch durchaus weniger entwickelten Ländern, enorm schlecht in der WIFI Frage ab. Warum das so ist? Keine Ahnung. Für mich macht das keinen Sinn. Vielleicht ist es auch einfach wichtiger Bestandteil der Servicewüste Deutschland. Es leuchtet mir genauso wenig ein wie die Tatsache, dass Deutschland das einzige Land zu sein scheint, in welchem man in Restaurants und Bars nicht kostenlos Wasser aus dem Wasserhahn bekommt. Irgendwie ein interessanter Vergleich zwischen Wasser, der Quelle des Überlebens, und WIFI – ist WIFI das Wasser im digitalen Zeitalter auf das jeder grundsätzlich überall Anspruch haben sollte?

Zumindest ist WIFI das Wasser für den digitalen Nomaden.

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